Erfahrung seit 1983
Die
Schmerzklinik ist
nach § 40 SGB V von allen
gesetzlichen Krankenkassen als
Rehabilitationseinrichtung anerkannt und auch beihilfefähig (OPS 8-918).
HEMIKRANIE
chronische Hemikranie,
Halbseitenkopfschmerz, Hemikranien
ICD 10: G44.80
Die Hemikranie ist ein Kopfschmerzsyndrom, das sich auf eine Kopfhälfte beschränkt, also ein Halbseitenkopfschmerz.
Die einzelnen Hemikranien:
Hemicrania continua (HC) (= ununterbrochene Hemikranie bzw. Halbseitenkopfschmerz)
chronische paroxysmale Hemikranie (CPH) (= anfallsartiger Halbseitenkopfschmerz)
Natürlich gibt es noch weitere Kopfschmerz arten die einseitig auftreten (z.B. Cluster-Kopfschmerz, Raeder-Syndrom, Neck-tongue-Syndrom - siehe unten), aber eben nicht ganz bzw. überwiegend halbseitig, so daß sie im eigentlichen Sinne nicht als Hemikranie bezeichnet werden können.
1) Hemikrania cont inua (HC) (anhaltende Hemikranie, anhaltender Halbseitenkopfschmerz)
Bei dieser Hemikranie besteht ein einseitiger, chronischer Kopfschmerz von mittlerer Intensität. Bei ca. 60% der Patienten kommt es zwischendurch zu Schmerzverstärkungen, die den Grundschmerz dann überlagern. Diese Schmerz verstärkungen können von kurzer Dauer sein, jedoch auch einige Tage anhalten. Während den Schmerz verstärkungen kommt es zu autonomen Symptomen (= unabhängige, selbständige, nach eigenen Gesetzmäßigkeiten ablaufende Krankheitszeichen) wie Ptosis (= Herabhängen des Oberlids), Konjunktivalinjektion (= Rötung der Bindehaut), Lakrimation (= Tränenfluß) und/oder Nase nkongestion (= Anschoppung der Nasenschleimhaut), so daß die Unterscheidung von Cluster-Kopfschmerzen schwierig werden kann.
Frauen
tragen gegenüber Männern ein fast doppelt so hohes Risiko an einer Hem
icrania con
tinua zu erkranken. Im Durchschnitt beginnt die Erkrankung im 3.
Lebensjahrzehnt, kann aber sowohl bei Kindern als auch bei älteren Menschen
auftreten.
Bei ca. 15% der betroffenen Patienten tritt die
Schmerzerkrankung
episodenhaft auf, d.h., einer Hemikranie
-Episode folgen schmerzfreie
Intervalle von Wochen bis Monate. Bei ca. 32% geht diese episodenhafte Form
in einen ständig anhaltenden
Schmerz über
und bei 53% besteht von vornherein eine kontinuierliche, anhaltende
Hemikranie.
Ganz selten kommt es sogar zu einem
Wechsel der betroffenen
Kopf
seite während des Erkrankungsverlaufes.
Ätiologie (= Krankheitsursache) und Pathogenese (= Krankheitsentwicklung) der Hemicrania con tinua sind noch nicht sicher geklärt. Neuere Untersuchungen lassen vermuten, daß an dem Krankheitsgeschehen der erste Trigem inus-Ast beteiligt ist.
Therapie bei Hemikrania cont inua (anhaltender Halbseitenkopfschmerz):
Als Mittel der Wahl gilt Indometacin alternativ kann Naproxen versucht werden.
Wir sehen
hin und wieder Hemikranie
-Patienten, bei denen Indometacin nicht anspricht. In diesen Fällen hat
sich eine intensive
therapeutische Lokalanästhesie mit einem langwirkenden,
örtlichen Betäubungsmittel
sehr bewährt. Dabei werden die den Schmerzbereich versorgenden Nerven 1-2
mal täglich an ihren Austrittspunkten blockiert.
Als nächst höhere Therapiestufe kommen wiederholte Blockaden des
Ganglion cervicale
superius
(= eine vegetative Schaltstelle, hinter dem oberen Rach
en gelegen) oder
Ganglion stellatum
(= eine vegetative
Schaltstelle, im seitlichen Halsbereich gelegen)
in Frage.
2) Chronische pa roxysmale Hemikranie (CPH) (anfallsartiger Halbseitenkopfschmerz)
Diese
Erkrankung wurde erstmals 1974 beschrieben.
Charakteristische Merkmale dieser Hemikranie sind streng
einseitig auftretende, chronische
Kopfschmerzanfälle
hauptsächlich im orbitalen
(= die Augenhöhle
betreffend), supraorbitalen
(= die
Stirn
betreffend) und/oder temporalen
(= die
Schläfe
betreffend) Bereich und einer
Dauer von 2 bis 45 Minuten. Die
Schmerzanfälle
treten mindestens 5 mal pro Tag auf.
Die IHS (= Internationale Kopfschmerzgesellschaft) -Kriterien verlangen, daß die Diagnose nur dann Bestand hat, wenn während der Schmerzattacken mindestens eines der folgenden autonomen Symptome (= unabhängige, selbständige, nach eigenen Gesetzmäßigkeiten ablaufende Krankheitszeichen) auf der betroffenen Seite auftritt:
konjunktivale Injektion (= Rötung der Bindehaut)
Lakrimation (= Tränenfluß)
Nasenkongestion (= Anschoppung der Nasenschleimhaut)
Rhinorrhö (= Nasenträufeln)
Ptosis (= Herabhängen des Oberlids)
Lidödem (= Schwellung aufgrund krankhafter Flüssigkeitsansammlung)
Differentialdiagnostisch (= was außer chronisch pa roxysmale Hemikranie noch an Krankheiten infrage kommt) ist auch bei dieser Erkrankung das Bing-Horton-Syndrom (Cluster-Kopfschmerz) von Bedeutung. Bei der chronisch paroxysmalen Hemikranie sind die Sch merzattacken kürzer, treten aber häufiger auf, auch überwiegt das weibliche Geschlecht. Cluster-Kopfschmerzen sprechen i.d.R. nicht auf Indometacin an.
Schmerztherapie bei chronisch paroxysmaler Hemikranie (anfallsartiger Halbseitenkopfschmerz):
Als Mittel der Wahl gilt auch hier Indometacin.
Aber,
keine Regel ohne Ausnahme, es gibt nicht wenige Patienten, die den IHS
(= Internationale
Kopfschmerz
-Gesellschaft)
-Kriterien "trotzen". In diesen Fällen hat sich eine intensive
therapeutische Lokalanästhesie mit einem lang wirkenden,
örtlichen Betäubungsmittel
sehr bewährt. Dabei werden die den Schmerzbereich versorgenden Nerven 1-2
mal täglich an ihren Austrittspunkten blockiert. Als nächst höhere
Therapiestufe kommen wiederholte
Stellatumblockade
n
(= Betäubung des Ganglion
stellatum, eine vegetative Schaltstelle, im seitlichen Halsbereich gelegen)
in Frage.
3) Migräne
Am häufigsten tritt eine
Hemikranie in Form der
Migräne
auf.
Dieser Halbseitenkopfschmerz ist begleitet von Übelkeit bis hin zu
Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit. Darüber hinaus kann es zu Seh-
und
Nervenstörungen
kommen. Fast regelmäßig wird die Schmerzqualität als pulsierend, pochend und
hämmernd angegeben.
Bei den meisten Patienten treten diese
Schmerzen stets
auf der gleichen Seite auf, bei anderen aber auch wechselseitig. Es gibt
aber auch Fälle bei denen der ganze Kop
f betroffen ist und so keine eigentliche Hemikranie
vorliegt.
Ätiologie (= Krankheitsursache) und Pathogenese (= Krankheitsentwicklung) sind letztlich noch nicht sicher geklärt. Nach der IHS-Klassifikation von 1988 gibt es hauptsächlich zwei Gruppen: Migräne mit und ohne Aura. Die frühere Einteilung in einfache, klassische und komplizierte Mig räne wurde aufgegeben.
Die einzelnen Migräne -Typen (IHS-codierte Klassifikation )(Göbel 1994) sind:
|
Mig räne ohne Aura |
|
Mig räne mit Aura |
|
Mig räne mit typischer Aura |
|
Mig räne mit prolongierter Aura |
|
Familiäre hemiplegische Aura |
|
Mig räneaura ohne Kop fschmerz |
|
Mig räne mit akutem Aurabeginn |
|
Ophthalmoplegische Mig räne |
|
Retinale Mig räne |
|
Periodische Syndrome in der Kindheit als möglicher |
|
Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer Mig räne |
|
Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
|
Alternierende Hemiplegie in der Kindheit |
|
Mig räne -Komplikationen: |
|
Status mig raenosus |
|
Mig ränöser Infarkt |
|
Migräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht erfüllen |
Die genaue Klassifikation der Migränekopfschmerzarten ist manchmal nicht ganz einfach, weshalb nachstehend einige Erläuterungen folgen:
Als typische Anfangssymptome
einer Mig
räne (Aura) gelten Sehstörungen,
(halbseitige) sensible und motorische
(= Bewegungs-) Störungen sowie
Dysphasie (=
Sprachausdrucksstörungen). Die
Krankheitszeichen entwickeln sich i.d.R. über einen Zeitraum von fünf bis 30
Minuten und klingen innerhalb einer Stunde wieder völlig ab.
Eine Mig
räne mit prolongierter
(=
verlängerter) Aura
liegt dann vor, wenn zumindest ein typisches Symptom länger als 60 Minuten
und weniger als eine Woche anhält.
Bei der familiären hemiplegischen
(= mit einer Halbseitenlähmung einhergehenden)
Mig
räne
besteht bei mindestens einem Verwandten (1. Grad) das gleiche
Krankheitszeichen.
Bei der Basilaris- Mig
räne
gehen die
Kopfschmerzen
mit Krankheitszeichen des Gehirns einher (z.B. Schwerhörigkeit, Doppelsehen,
sensible oder motorische Störungen, Schwindel).
Nach Göbel (1994) ist es umstritten, ob der Halbseitenkopfschmerz bei
der ophthalmoplegische Mig
räne
(Schmerzat
tacken, die mit einer Lähmung der
Augenmuskeln einhergehen) überhaupt der Mig
räne zugeordnet werden kann.
Gleiches gilt für die periodischen Syndrome in der Kindheit
(anfallsartiger Schwindel und abwechselnde
Halbseitenlähmung,
in Verbindung mit Störungen der Hautempfindlichkeit oder Beweglichkeit sowie
vegetativen Krankheitszeichen, möglicherweise sind diese Erscheinungen
epileptiformer (=
fallsuchtartiger) Natur).
Bei der "kindlichen Mig
räne"
können auch
Bauchschmerzen mit Übelkeit bis hin zu Erbrechen auftreten, gelegentlich
auch ein Temperaturanstieg, ohne daß
Kopfschmerzen
vorliegen.
Bei der retinalen Mig
räne
sind die
Kopfschmerzen
von einem einseitigen Gesichtsfeldausfall oder gar Erblindung begleitet, was
bis zu einer Stunde anhalten kann.
Als Mig
räne
-Komplikation ist der Status mig
raenosus
zu nennen, gekennzeichnet durch eine Dauer der Kop
fschmerzen von mehr als 72 Stunden
Dauer, trotz Behandl
ung. Eine weitere Komplikation ist
der mig
ränöse Infarkt. Dieser liegt vor, wenn ein ischämischer (= durch Blutmangel bedingter)
Gehirninfarkt nachweisbar ist, oder die Aurasymptomatik (= anfängliche Krankheitszeichen einer Mig
räne)
nicht innerhalb von 7 Tagen völlig abklingt.
Therapie der Mig räne-Kop fschmerzen: Zunächst muß der Patient eingehend über die Migräneerkrankung aufgeklärt und über die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Auf anamnestisch (= aus der Vorgeschichte) eruierte auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich, so z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von Streß situationen.
Therapie des akuten
Migräneanfall
s:
Ganz wichtig ist der Hinweis, daß
Analgetika
(=
Schmerzmittel)
möglichst frühzeitig einzunehmen sind, d.h., der Patient darf nicht abwarten,
bis das Vollbild des
Migränekopfschmerz
es eingetreten ist, sondern die Medikamenteneinnahme soll schon bei den
ersten Anzeichen erfolgen. Als Mittel der ersten Wahl gilt noch immer die
Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS)
1-1,5 g. Bei ungenügender Wirkung von ASS empfiehlt sich ein Versuch mit
Paracetamol, 1-1,5 g (in Form von Tbl., Saft oder Zäpfchen). Nichtsteroidale
Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen) sind gegen Mig
räne ebenso wirksam wie ASS bei
vergleichbarer oder geringerer Nebenwirkungsrate. Besonders magenschonend sind
die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem
Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer.
Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt
genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bewährt hat sich beim stärkeren Mig
räne
-Halbseitenkopfschmerz auch die Kombination von
1g ASS mit 1g Paracetamol. Auch ein Therapieversuch mit Metamizol
ist manchmal lohnend.
Ein potentes Therapeutikum bei Mig
ränekop
fschmerzen ist der Serotoninagonist
(= Mittel, das dem Gewebshormon
Serotonin entgegenwirkt)
Sumatriptan. Initiale Dosierung: 100mg zum Einnehmen oder, zum schnelleren
Wirkungseintritt, 6mg
unter die Haut gespitzt oder auch nasal (= in die Nase)
als Spray. Bei Wiederauftreten von Kop
fschmerzen maximal zwei Verabreichungen
in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in
den Medien. Bei Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von
Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993). Sumatriptan (gilt auch für andere
Triptane) sollte allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere Mig
räne -Mittel nicht den gewünschten Erfolg
bringen. Zwischenzeitlich gibt es weitere Triptane: Zolmitriptan,
Naratriptan
(als
Formigran® rezeptfrei),
Rizatriptan, Almotriptan, Frovatriptan und seit 2002
Eletriptan. Zur Behandlung von hemiplegischer, ophthalmoplegischer oder
Basilaris-Migräne sind Triptane allerdings nicht geeignet.
Ergotaminpräparate sind klassische Pharmaka zur Kupierung eines
Migräneanfall
s, wegen der möglichen Nebenwirkungen jedoch nicht ganz unproblematisch.
Die Gefahr einer Gewöhnung und Auslösung eines zusätzlichen
Dauerkopfschmerz
es steigt mit zunehmender Einnahmehäufigkeit. Aus diesem Grunde sollten
pro Woche nicht mehr als 6mg Ergotamintartrat und pro
Migräneattacke
nicht mehr als 4mg eingenommen werden (Göbel, Ensink et. Soyka
1994).
Grundsätzlich gilt auch hier, daß beim
Migränekopfschmerz
die Verwendung von Mischpräparaten (z.B. Ergotamintartrat mit Koffein oder
Prophyphenazon, Codein, Paracetamol usw.) strikt vermieden werden soll. Auf
dieser Therapiestufe kann auch Dihydroergotamin i.m.
(= in den
Muskel)
oder ganz langsam i.v.
(= in eine Blutader)
versucht werden (1-1,5mg).
Besonders bei ausgeprägten vegetativen Mig
ränebegleiterscheinungen hat sich die zusätzliche Gabe von 1-2 mg
Flunitrazepam (= ein Schlafmittel) sehr
bewährt, auch unter dem Aspekt, Schmerzmittel einzusparen, zumal die Patienten
in dieser Situation ohnehin das Bedürfnis haben, sich hinzulegen.
Werden die
Migränekopfschmerzen
von Nausea (=
Übelkeit, Brechreiz) und Erbrechen
begleitet (evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser Symptome), ist
die Verabreichung von Metoclopramid sehr wirksam, zum
Einnehmen oder als Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg. Metoclopramid
sollte nicht an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist vorteilhaft,
diese Substanz vor einem
Analgetikum
(= Schmerzmittel)
einzunehmen, weil Metoclopramid die
Darm
tätigkeit steigert und somit die Resorption
(= Aufnahme im Dar
m) weiterer verabreichter Substanzen fördert.
Alternativ kann auch der Dopamin-Antagonist Domperidon verwendet
werden, Tabletten oder Tropfen bis zu 30mg.
Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem separaten Raum innerhalb
einer Praxis, hat sich bei Mig
räne die Verabreichung einer Infusion
(500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS kombiniert mit 10mg Metoclopramid und 1-2mg Flunitrazepam sehr bewährt, bei
heftigen
Schmerzen
zusätzlich 50-100mg Tramadol.
Die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel)
ist im bereits voll entwickelten akuten Migräneanfal
l
wenig hilfreich. Allerdings kann bei frühzeitiger Durchführung die Symptomatik
in vielen Fällen abgeschwächt werden, so daß oftmals
Analgetika
(= Schmerzmittel)
gar nicht oder in weit geringerer Dosierung als sonst üblich eingenommen werden
müssen.
Wir blockieren vorzugsweise mit Bupivacain 0,5% die
Nerven
supraorbitales (=
Nerven an der Augenbraue) (je ca.
0,5ml), occipitales major
(= Nerven am
Hinterkopf) (je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren den
Schläfenbereich
beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl die
Migränekopfschmerzen meist nur einseitig auftreten,
hat es sich bewährt, diese Behandl
ung nicht nur auf die aktuell betroffene
Kopfhälfte zu beschränken.
Wenn heftige
Mig
räneanfälle gehäuft (mehrmals pro Woche)
auftreten, sind im Rahmen einer stationären
Schmerzbehandlung
schmerzseitige Blockaden
(= Betäubungen) des Ganglion
stellatum (= eine
vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich.
Arten die Kop
fschmerzen
in einen Status mig
raenosus (= länger als 72h anhaltender Mig
räneanfall)
aus, so ist dies eine Indikation
(= Anzeige)
zur stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg
Flunitrazepam, initial zusammen mit 40mg Prothipendyl, sowie eine Tropfinfusion mit 100 mg Tramadol, 1g
Ass und
10-20mg Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen sollte mit der Gabe von
Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert werden.
Allgemeinmaßnahmen im Mig
räneanfall bestehen in Reizabschirmung
(ruhiges und verdunkeltes Zimmer).
Prophylaktische
(= vorbeugende) Therapie der
Migränekop
fschmerzen:
Nicht immer sind die Patienten
bereit, auch im schmerzfreien Intervall konsequent Medikamente einzunehmen, so
daß oftmals eine ausführliche Aufklärung erforderlich ist. Eine
Migränevorbeugung
sollte nur dann erfolgen, wenn die
Migräneattacken
mindestens zwei mal pro Monat auftreten. Nach Göbel und Soyka
(1994) ist die Indikation auch gegeben, wenn im bisherigen Verlauf mindestens
zweimal ein Status mig
raenosus, eine prolongierte
(= verlängerte)
Aura oder einmalig ein mig
ränöser Infarkt
(= Gewebszerstörung in
bestimmten Hirnbereichen infolge von Sauerstoffmangel) aufgetreten sind.
Als Mittel der ersten Wahl gelten Beta-Rezeptorenblocker
(= eigentlich Blutdruckmittel, die aber auch gegen Mig
räne wirken).
Allerdings haben nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe eine vorbeugende
Wirkung auf die Mig
räne. Relativ sicher wirken Propanolol
und Metoprolol (Diener 1989); beide Substanzen werden langsam
einschleichend dosiert. Die tägliche Höchstdosierung für Metoprolol
beträgt 200mg, für Propanolol 240mg. Bei Ausbildung nicht
tolerierbarer orthostatischer
(= den Kreislauf betreffende)
Störungen oder einer Bradykardie
(= zu langsamer Puls)
muß die Behandl
ung abgebrochen werden (ausschleichend). In der Einschleichphase müssen
daher regelmäßige Puls- und Blutdruckkontrollen durchgeführt werden. Die
Wirkungsweise der Beta-Blocker in Bezug auf den Migränekop
fschmerz ist noch nicht sicher bekannt.
Zur Intervalltherapie des Migränekopfschmerzes eignen sich auch
Kalzium-Antagonisten
(= ein Mittel das der Wirkung
von Kalzium entgegenwirkt). Flunarizin sollte aufgrund einer Bewertung durch das
Bundesgesundheitsamt nur bei Patienten eingesetzt werden, die unter häufigen und
schweren Mig
ränanfällen leiden und bei denen eine
Kopfschmerzprophylaxe
(=
Kopfschmerzvorbeugung)
mit Beta-Blockern kontraindiziert
(= gegenangezeigt)
ist bzw. keine ausreichende Wirkung gezeigt hat. Nach einer Studie hat sich
Cyclandelat zur
Migräneprophylaxe
nicht bewährt.
Eine weitere Prophylaxemöglichkeit (3. Wahl) des Migränekopfschmerzes besteht in
der Verabreichung von Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die dem Gewebshormon
Serotonin entgegenwirken).
Pizotifen hat einen hemmenden
Effekt auf die Serotonin-Freisetzung im Anfangsstadium der Mig
räne. Lisurid, ein Ergotamin
-Derivat, ist ein Serotonin -Partialantagonist. Die Tagesdosis beträgt 0,075 mg.
Im Gegensatz zu anderen Autoren (Soyka 1989) wird diese Substanz bei uns
kaum verwendet, da bisherige Therapieversuche nicht überzeugt haben.
Zur Prophylaxe der Kop
fschmerzen bei der sog. menstruellen
(= regelbedingten) Mig
räne
soll
Sulpirid hilfreich sein (Thoden 1986). Göbel und
Soyka (1994) empfehlen eine "Kurzzeitprophylaxe" mit 250-500 mg
Naproxen, vier Tage vor der erwarteten Regel bis drei Tage danach.
Das Derivat der Lysergsäure, Dihydroergotamin ist zur Vorbeugung des Mig
ränekopfschmerzes umstritten. So wird es z.B. in
anglo-amerikanischen Ländern dafür nicht verwendet.
Zur
Migräneprophylaxe
(=
Migränevorbeugung)
ist in Deutschland auch das Antiepileptikum (= eigentlich ein Mittel gegen die Fallsucht)
Topiramat zugelassen. Dieses Medikament sollte aber nur bei
Erwachsenen angewendet werden und nur dann, wenn eine Therapie mit
Betablockern nicht indiziert (= angezeigt) ist,
zuvor nicht erfolgreich war oder nicht vertragen wurde.
Nach einem Bericht in der Welt (19.4.04) soll zur
Vorbeugung der
Migräne mit Aura die
auch regelmäßige Zufuhr von Folsäure
geeignet sein.
Wenn die Anfälle gehäuft (z.B.
mehrmals pro Woche) auftreten und andere vorbeugende Medikamente (z.B.
Beta-Blocker) nicht greifen, ist nach unserer Erfahrung beim Migränekop
fschmerz auch die
therapeutische
Lokalanästhesie
(= Behandlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel)
lohnend, besonders wenn sie über 2-3 Wochen unter stationären Bedingungen 2x
täglich konsequent durchgeführt wird (Leser et Hefermann,
1990). Dabei
betäuben wir, wie zur Akutbehandlung schon beschrieben, die das Kranium
(= den knöchernen Schädel)
versorgenden Nerven an ihren Austrittspunkten. Ergänzt wird die Behandl
ung durch tiefe Infiltration der oft
verspannten, an die
Halswirbelsäule
angrenzenden
Muskulatur.
Die Wirkungsweise dieser Therapie ist bei
Migränekopfschmerzen nicht geklärt, vermutlich kommt
es zu einer tiefgreifenden neurovegetativen Umstimmung.
Diese Wirkungsvorstellung ähnelt sehr dem neuraltherapeutischen Konzept,
allerdings mit dem Unterschied, daß statt
Procain das lang wirkende örtliche Betäubungsmittel
Bupivacain verwendet wird.
Ergänzende Methoden zur
Migränetherapie:
Meist werden die folgenden Methoden
ergänzend eingesetzt, d.h. als Monotherapie
(= alleinige Behandlung)
ist die Wirkung in der
Migränebehandlung
in der Regel nicht ausreichend.
Eine der klassischen Indikationen für die
Akupunktur (Schmerzakupunktur)
sind Kop
fschmerzen. Zur Behandl
ung des Migränekopfschmerzes dominieren
Nadelpunkte auf dem Gallenblasen-Meridian, so z.B. die Punkte 3, 17, 40 und 43,
zusätzlich das Lenkergefäß 25 in der Mitte der Nasenwurzel (Kossmann et
al. 1986). Es sei darauf hingewiesen, daß auch für die Behandl
ung der Mig
räne mit Akupunktur (noch) keine wissenschaftlich exakten
Ergebnisnachweise vorliegen.
Die transkutane Nervenstimulation mittels Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) kann beim
Migränekopfschmerz, wenn sie bei den ersten Anzeichen einer Attacke durchgeführt
wird, durchaus eine Linderung der Beschwerden herbeiführen, manchmal sogar den
Ausbruch einer Attacke verhindern.
Bei vielen Mig
ränepatienten fällt auf, daß auch im
schmerzfreien Intervall die an die Halswir
belsäule angrenzende Mus
kulatur, teilweise auch die
Schulter muskulatur
verspannt ist. In diesen Fällen hat sich die Verordnung von physikalischen
Therapiemaßnahmen (Fango, Kältebehandlung) und Krankengymnastik als
ergänzende Behandl
ung bewährt. Manchmal kann auch durch
eine manuelle Lymphdrainage im Kop
f-/Halsbereich eine deutliche Linderung
der
Migränekopfschmerzen erzielt werden.
Zu erwähnen wäre bei
Migräne auch die Hydrotherapie in
Form von Wechselbädern der
Extremitäten
(=
Arme,
Beine)
und/ oder Kneippschen Güssen. Wahrscheinlich beruht der oft zu beobachtende
positive Effekt auf einer neurovegetativen Umstimmung im Sinne eines
ganzheitlichen Behandlungsansatzes.
Bewährt hat sich bei
Migräne auch
Biofeedback (=
Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Auch
psychologischen Interventionen können Migränekop
fschmerzen lindern: hauptsächlich Entspannungstechniken,
Streß-
und
Schmerzbewältigungstraining.
Kurze Beschreibung der Kopfschmerzsyndrome, die zwar einseitig aber nicht halbseitig auftreten, streng genommen also nicht als Hemikranien bezeichnet werden können:
Cluster-Kopfschmerz
(Bing-Horton
-Kop
fschmerz):
Hauptsymptom dieser Kop
fschmerzen ist der streng einseitig, in
aller Regel periorbital
(= um das Auge herum)
oder frontotemporal (= im Sti
rn-/Schlä
fenbereich)
in Attacken und vorwiegend nachts auftretende
Kopfschmerz von
unerträglicher Intensität und einer durchschnittlichen Dauer bis zu wenigen
Stunden. Überwiegend wird der Schmerzcharakter mit bohrend oder brennend
angegeben. Typischerweise, jedoch nicht zwingend, kommt es zu Tränenfluß und
Augenrötung, evtl. begleitet von einer Engstellung der Pupille und
Verengung der Lidspalte (partielles Horner-Syndrom) sowie Nasenträufeln als
Begleitsymptome.
Raeder-Syndrom:
Die Kop
fschmerzen sind im Versorgungsgebiet des
N. ophthalmicus (=
oberer
Gesicht
snerv)
lokalisiert. Die Symptomatik ist den
Clusterkopfschmerzen ähnlich.
Neck-Tongue-Syndrom
(Nacken-Zungen-Syndrom):
Die Kop
fschmerzen treten attackenartig einseitig
hinterkopfbetont auf und sind von einer unangenehmen
Hypästhesie (=
verminderte Empfindlichkeit) der
gleichseitigen
Zunge nhälfte begleitet.
Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt, es wird eine Subluxation
(= unvollständige Ausrenkung)
des Atlanto-Axial-Gelenkes
(= zwischen Kop
f und
Wirbelsäule
gelegen) vermutet (Bogduk
1981).
Wenn Hemikranien längerfristig bestehen, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandl ung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
Laut den Ausführungen des Bundesministeriums für Gesundheit haben seit dem 1.4.2007 alle Versicherte (also auch ältere Patienten) einer gesetzlichen Krankenkasse einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen. Quelle: Web-Seite der Bundesregierung und Brief des Bundesgesundheitsministeriums an die Sozialministerien der Länder als Aufsichtsbehörde der gesetzlichen Krankenkassen. Zu diesem Wahlrecht gibt es mittlerweile auch ein Urteil des hessischen Landessozialgerichts (Az.: L 1 KR 2/05): Gewährt eine Krankenkasse einem Versicherten einen Aufenthalt in einer Reha-Klinik, so ist sie dazu verpflichtet, die Wünsche des Versicherten in Bezug auf die Einrichtung zu berücksichtigen.
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Wurzelkompressionssyndrome,
Wurzelneuralgie,
Wurzelneuritiden,
Wurzelreizsyndrom,
Wurzelsyndrom
X
Xiphoidalgie,
Z
Zeckenbiß (www.zecken-biss.de),
Zehengelenksarthrose,
Zephalgie (1),
Zephalgie (2),
zentrales Schmerzsyndrom,
zerebraler Insult,
zentrale Schmerzsyndrome,
Zervikalgie,
Zervikalsyndrom,
Zervikobrachialgie,
Zervikobrachialsyndrom,
Schmerzklinik (1), Schmerzklinik (2), Schmerzklinik (3), Schmerzklinik (4)
<strong>Hemikranien</strong>
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